Ahoi Leute.
Hatte in den letzten Tagen nicht so viel Zeit. Aber ich hab hier noch was ausgegraben, von der Story die ich, gelegentlich wenn mal Zeit ist, schreibe. An der Kapitel(chen) Zahl kann man erkennen: Es ist schon einiges geschrieben... 29 Kapitelchen um genau zu sein (297 Schreibmaschinenseiten bisher - nach meiner Gliederung der Story könnte nochmal soviel dazukommen). Also hier ein Kapitelchen, daß einen etwas verwirrenden Aspekt der Story wiedergibt, aber vor allem einen leicht metaphysischen Charakterzug der Story aufzeigt... vielleicht gefällts ja.
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27. Die Schicksalsmaschine
Almalex hantierte an der Maschine, als wäre es ein Uhrwerk. Diese Maschine war jedoch viel mehr als das. Erendor besah sich die komplexe Mechanik und die daraus herausragenden Speicherstäbe, in denen riesige Datenmengen hin und her gewuchtet wurden und staunte über diese ungeheure Präzision, mit der diese Maschine tatsächlich in der Lage war die Wahrscheinlichkeiten bevorstehender Ereignisse mehr oder weniger konkret zu beeinflussen. Erendor war überaus fasziniert von den bläulich schimmernden Speicherstäben und streckte eine Hand danach aus. Almalex bemerkte es und packte seine Hand.
"Nicht!", ermahnte er Erendor. Der schaute verdutzt drein.
"Wieso nicht? Eine Berührung wird es wohl kaum schaden"
"Jede Beeinflussung bedeutet eine Veränderung. Veränderungen sind schlecht. Immer", sagte Almalex und wandte sich wieder seinen Kalkulationen zu.
"Haben Sie diese Maschine gebaut?", fragte Erendor mit ehrlicher Neugierde. Almalex antwortete geistesabwesend:
"Nein, ich betreue sie nur. Meine Vorgänger fanden sie vor vielen Jahrhunderten hier vor. Seitdem hat sie sich nicht verändert. Wir benötigten beinahe zweihundert Jahre, um ihren vermutlichen Zweck zu ergründen. Jedenfalls, soweit wir das feststellen konnten"
"Und wer hat sie dann erbaut?" Almalex schaute bei dieser Frage kurz auf; sah Erendor dabei aber nicht an. Er überlegte einen Moment.
"Das wissen wir nicht genau. Es waren vermutlich die Ersten. Ich gebe zu: Kein sehr kreativer Name. Die Maschine ist sehr alt, mußt du wissen. Sehr, sehr alt. Die Zerfallsrate gewisser Elemente innerhalb der Maschine deuten auf ein Alter von beinahe 650 Tausend Jahren hin. Es ist uns ein absolutes Rätsel wer sie erbaut hat, und warum. Wir wissen nur, daß es viele von ihnen gegeben haben mußte; verteilt über die gesamte Galaxis. Wir haben aber bisher nur drei weitere innerhalb der imperialen Grenzen entdeckt - wer weiß wieviele noch da draußen existieren. Klar ist jedenfalls, daß die Einstellungen der einen Maschine die der anderen erheblich beeinflusst - und umgekehrt. Deswegen, mein junger Freund, ist es so wichtig, daß du hier nichts anrührst - es könnte unvorhersehbare Folgen haben"
Erendor schnaubte verächtlich... seine Mandibeln klickten zwei Mal und er dachte sich, daß er als kleines Rädchen im Getrieben der bevorstehenden Ereignisse, wohl kaum eine entscheidende Änderung herbeiführen könnte. Schon gar nicht, in dem er einen dieser Stäbe berührte. Was könnte das schon ändern?
"Was tun Sie da, Almalex?"
"Wenn du mich nicht weiter störst, werde ich bald das nächste Ergebnis haben. Es wird ausfallen, wie alle anderen zuvor auch schon. Kleine Differenzen vielleicht, aber alles sollte größtenteils im Gleichgewicht sein"
"Ich verstehe kein Wort von dem, was Sie da sagen!" Almalex seufzte entnervt.
"Nun...", begann er. "Diese Maschine verändert die Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse, die noch kommen werden. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist wichtig, die Neutrino-Spins im Auge zu behalten. Denn die sind zufällig, und zufällig meistens im Gleichgewicht - es sei denn, jemand oder etwas stört dieses Gleichgewicht. Das messen wir unentwegt, um zu schauen, ob sich etwas verändert. Aufgrund der schwachen Wechselwirkung ist es aber äußerst schwer dies festzustellen. Hochrechnungen sind von Nöten - sehr komplexe - ich benötige Tage um ein Ergebnis zu erhalten" Erendor schaute bei dieser Erklärung dümmlich drein.
"Wahrscheinlichkeiten? Neutrinos? Spin? Ich verstehe noch immer kein Wort!"
"Schau - es ist so: Die Neutrinos in unserer Umgebung; also jene, die uns durch unser Zentralgestirn geschickt werden und uns durchfluten, haben unter normalen Voraussetzungen einen wahrscheinlichen Spin von +1 und -1 - zu gleichen Teilen. Wir sagen, um es einfach zu halten, links-drehender und rechts-drehender Spin. Gibt es ein Ungleichgewicht - sagen wir mehr rechts-drehende als links-drehende - so wissen wir, daß etwas ungewöhnliches im Gange ist"
"Die Maschine verändert den Spin?"
"Nun... das könnte der Fall sein, oder auch nicht. Tatsache ist: Es gibt Vorfälle in denen ein Ungleichgewicht herrscht, aber von dem wir annehmen können, daß es nicht von der Maschine ausging. Einfach zufällige Ereignisse die passieren. Aber es gab und gibt auch Ungleichgewichte, die in auffälliger Weise mit einem Energieanstieg innerhalb der Maschine einhergehen - damit also sehr wahrscheinlich zusammenhängen. Als der Krieg gegen die Aradianer ausgetragen wurde, war dies der Fall. Jedenfalls hat die Sternenkarte innerhalb der Maschine im Gebiet der Aradianer eine deutliche, bläuliche Färbung angenommen - ein sicheres Zeichen, daß dort die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ereignisses, begünstigt wurde"
"Also hat die Maschine den Krieg ausgelöst?"
"Nein, der Imperator hat den Krieg ausgelöst. Aber die Maschine hat die Wahrscheinlichkeit, ob der Imperator diesen Krieg anzettelt oder nicht, vermutlich konkret beeinflusst"
"Eine Art Gedankenkontrolle"
"Nein... nein... Erendor - so funktioniert es nicht. Es sind Wahrscheinlichkeiten, über die wir sprechen. Einige Wahrscheinlichkeiten sind wahrscheinlicher als andere. Diese Maschine ist nur offensichtlich dazu in der Lage bestimmte Wahrscheinlichkeiten zu begünstigen"
"Und die Neutrinos? Die verändern also die Ereignisse?"
"Die Neutrinos und das Gleichgewicht oder Ungleichgewicht ihrer Spins sind nur ein Symptom - nicht die Ursache. Ich stelle hier nur fest, in welchem Stellargebiet welche Spinzahlen herrschen. Aufgrund dessen ist es mir möglich gewisse Vorhersagen bestimmter Ereignisse zu treffen. Das ist oft nicht sehr genau, weil es auf wenige Promille-Werte ankommt, ob dieses oder jenes Ereignis eintritt. Bei den Aradianern gingen die Spinzahlen nach links, was darauf hindeutete, dass Imperator Ovator die Aradianer unterjochen-, er sich also doch zu einem Angriffskrieg gegen sie entscheiden würde. Das sagte ich damals voraus und so ist es passiert. Links-drehende Neutrinos sind immer schlecht - jedenfalls für das Gebiet, in denen sie vermehrt vorkommen. Während also die Aradianer mehr links-drehende hatten, bekam das Imperium mehr rechts-drehende... was darauf hindeutete, daß das Imperium den Krieg höchstwahrscheinlich gewinnen würde. Das war auch nicht weiter überraschend, angesichts der ungeheuren Stärke, über die das Imperium verfügt. Du siehst: Es gibt auch bevorstehende Ereignisse, für die man keine Schicksalsmaschine benötigt, um sie vorherzusehen. Aber es ist beruhigend zu wissen, daß die intuitive Vorhersage mit der praktischen dieser Maschine übereinstimmen - denn es besagt, daß wir die Maschine richtig verstehen - zumindest zu einem Gutteil"
"Aber die Maschine wird auch spontan aktiv - jedenfalls verstehe ich Ihre Äußerungen so"
"Das könnte der Fall sein. Die Wahrheit ist, daß wir das nicht mit letzter Sicherheit sagen können. Denn die Maschine selbst ist unintelligent. Es gibt keine künstliche Intelligenz - jedenfalls haben wir noch keine festgestellt. Und doch wird sie von Zeit zu Zeit aktiv und auch meist dann, wenn es Spannungen zwischen zwei großen Reichen in diesem Teil der Galaxis gibt - was wohl kaum ein Zufall sein dürfte. Sie verändert dann offensichtlich konkrete Ereignisse anhand ihrer Wahrscheinlichkeiten. Aber bedenke: Jede Maschine die an dieses Netzwerk - denn das ist es, worauf die Macht dieser Maschinen basiert - angeschlossen ist, beeinflusst durch ihre Einstellungen alle anderen. Es wäre also denkbar, daß die anscheinend spontanen Aktivitäten nicht so spontan sind, wie man annehmen könnte"
"Ihr meint, jemand lenkt die Wahrscheinlichkeiten - von einer anderen Maschine aus?" Almalex sah Erendor nun erstaunt an.
"Du begreifst schnell, mein junger Freund. In der Tat - das ist eine der Theorien. Ich halte es zumindest für wahrscheinlich, daß eine unbekannte Intelligenz Zugriff auf eine Maschine hat und aktiv Einfluss auf die stellaren, politischen wie militärischen Ereignisse nicht nur innerhalb des Imperiums nimmt. Wenn das so ist, so wäre es sehr erschreckend, denn diese fremde Macht, weiß dann offensichtlich sehr genau, wie sie diese Maschinen bedienen muß - das ist mehr, als wir Wächter von uns behaupten können. Die Gründe weswegen diese Ereignisse eher begünstigt werden als jene, sind uns schleierhaft. Leider ist es uns nicht möglich eine aktive Einflussnahme von außen zurückzuverfolgen - es könnte also alles auch nur Zufall sein"
"Aber daran glauben Sie nicht?"
"Nein, daran glaube ich nicht. Ich denke irgendeine Art von Entität - vielleicht die Ersten selbst - nehmen aktiv Einfluss auf die Geschicke in unserem Teil der Galaxis. Weshalb und warum, wissen wir nicht... wie schon erwähnt, ist es so, dass..." Ein Alarm ertönte laut schrillend. Etwas veränderte sich auf der stellaren Karte der Maschine. Almalex, der sonst eine stoische Ruhe verströmte, wurde sehr plötzlich sehr hektisch. Er fuchtelte wild gestikulierend in der Holosteuerung seiner Messapparatur herum, und starrte dann in die stellare Karte hinein. Erendor wusste nicht was vor sich ging, bemerkte aber, daß das stellare Gebiet, in der der allergrößte Teil der menschlichen Truppen vermutet wurde, in einem starken bläulichen Schimmer zu leuchten begann. Almalex schaute sich die Verteilung der Spins genau an - und ohne seine Hochrechnungen; lediglich auf Erfahrung beruhend, sagte er:
"Zunehmend links-drehend! Höchstwahrscheinlich" Erendor erschauderte es bei dem Gedanken, daß die einzige Macht, die dem brutalen Imperium Ovators etwas entgegensetzen konnte, aus welchen Gründen auch immer schlechte Chancen erhalten hatte... denn links-drehend war immer schlecht, wie Almalex schon deutlich zum Ausdruck brachte. Ihm wurde unheimlich zumute, denn sollte tatsächlich etwas oder jemand eine direkte Beeinflussung der Ereignisse in genau diesem Moment vornehmen, so stand zumindest eines fest: Wer immer es sein mochte... er war kein Freund der Menschheit.
"Das ist nicht gut", bemerkte Erendor nicht ganz so scharfsinnig, wie es klingen sollte. Almalex seufzte:
"Tja, da kann man jetzt wohl nichts mehr machen"
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Grüße
Daniel